„Tschüss!“

Freudig strahlend reckte mein fünfjähriger Sohn die Hand der Wurstscheibe entgegen, die ihm die Verkäuferin über die Theke hinweg überreichte. Er hatte gehofft, dieses Mal nicht leer auszugehen – und war belohnt worden. Während er sein Geschenk entgegen nahm, wartete ich neben ihm auf die Reaktion, die wahrscheinlich alle Mütter und Väter in dieser Situation erhoffen.

Es war ja nicht etwa das erste Mal, dass wir beiden diese Situation erlebten. Ich hatte ihn schon einige Male daran erinnert, dass trotz der alles vergessen machenden Freude ein kleines Wörtchen des Dankes nicht fehl am Platze wäre, das er daraufhin auch immer bereitwillig der Fleischwarenfachverkäuferin entgegenbrachte.

In der Hoffnung, es würde dieses Mal keiner Erinnerung bedürfen, ließ ich ihm noch eine kurze Bedenkzeit. Mein Sohn betrachte still und zufrieden seine Beute. Aber das Lächeln verließ meine erwartungsfrohe Mine, als sich seine Hand langsam aber zielsicher seinem Munde näherte. Ich holte tief Luft. Als sich seine Lippen öffneten und der Wurstscheibe den Weg zu ihrem Bestimmungsorte frei machten, verließen mit gezwungen freundlichem Unterton die Worte „Und was sagt man da?“ meinen Mund.

Mein Sohn hielt inne. Er schloss seine Lippen, senkte den Arm und wandte seinen Blick mir zu. Erkennbar durchsuchte er seine Hirnwindungen: Was mag sein Vater wohl von ihm hören wollen? Er schaute zunächst mich, dann die Dame hinter der Theke an und sagte: „Tschüss!“

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