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Terrorismusbekämpfung kann lebensgefährlich sein

Eine Kosten-Nutzen-Rechnung der nach dem 11. September 2011 intensivierten Terrorismusbekämpfung steht nach wie vor aus. Manchen gilt sie als „unmöglich“ wegen fehlender Transparenz und notwendiger Geheimhaltung. Andere halten sie für „unmoralisch“ nach dem Motto: Man kann doch nicht Menschenleben mit Gehältern von Polizisten aufwiegen. Vielleicht sind das aber auch nur Scheinargumente derer, denen sie schlicht „unerwünscht“ ist.

Wie dem auch sei. Dem „Nutzen“ verhinderter Anschläge stehen jedenfalls nicht nur die monetären „Kosten“ der Sicherheitsbehörden und die Einschränkungen bürgerlicher Freiheitsrechte zugunsten der Sicherheit gegenüber. Auch Fehlalarme wie die Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden im November letzten Jahres sind zu den Kosten zu zählen. Und schließlich hat der Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März 2015 in den französischen Alpen gezeigt, dass auch tödliche „Nebenwirkungen“ auf das Konto der Terrorismusbekämpfung gehen .

Nach den schrecklichen Ereignissen des 11. September 2001 wurden die Bestimmungen in der Luftfahrt dahingehend geändert, dass – vereinfacht gesagt – die Tür des Cockpits vom Passagierbereich aus nur zu öffnen ist, wenn dies im Cockpit erlaubt wird. So wollte man Terroristen den Zugang zum Cockpit verwehren. Im März letzten Jahres konnten deshalb die anderen Mitglieder der Besatzung den Copiloten, der alleine im Cockpit war, nicht daran hindern, die Maschine abstürzen zu lassen und 150 Menschen das Leben zu nehmen.

Vor dem 11. September 2001 wäre dieses Unglück mit hoher Wahrscheinlicheit verhindert worden.

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„Der Tagesspiegel“ unterstützt den islamistischen Terrorismus!

Eine Polemik

Gut, ich bin selbst schuld. Ich weiß, man sollte in zweitklassigen Tageszeitungen bestenfalls den Sport-Teil aufschlagen oder die Lokalnachrichten lesen, die ersten Seiten zu Themen nationaler oder gar internationaler Tragweite aber tunlichst meiden.

Zu meiner Entschuldigung möchte ich anführen, dass die mit den Signalfarben Gelb und Rot geschwängerte halbseitige Weltkarte auf Seite 2 des „Tagesspiegel“ vom 11. September 2015 (!) auch an mir ihren Zweck verrichtete – und mich zur Lektüre des dazugehörigen Beitrag verleitete, der unter dem Titel „Weltkrieger“ die Frage stellte, ob „es für den islamistischen Terror keine Grenzen“ mehr gebe?

Orte des Terrors

Der Autor fühlte sich an diesem „historischen“ Tag offensichtlich berufen, sich aus den Tiefen des Berliner „Tagesspiegels“ in die Höhen des analytischen Groß-Journalismus aufzuschwingen. Eine verkaufsfördernde Info-Grafik durfte natürlich nicht fehlen – aber offentsichtlich auch nicht zu viel Mühe machen. Schwups wurden alle Länder, in denen seit dem 11. September 2001 der „islamistische Terrorismus“ in irgendeiner Weise in Erscheinung getreten war, vollflächig gelb-rot eingefärbt – geht ja ruckzuck mit Photoshop® & Co.

Im Ergebnis tobt die stilisierte Feuersbrunst in einem Land wie Syrien, in dem Millionen Menschen vor einem blutiger Bürgerkrieg geflüchtet sind, ebenso wie in Kanada, wo ein (!) Islamist 2014 in Ottawa einen Soldat und das Parlament angreift und selbst getötet wird. Natürlich ist auch in Australien überall (auch in der menschleeren Simpson Desert und in den Wäldern Tasmaniens) mit Anschlägen zu rechnen. Und während hinter jedem Fahrrad in China der „islamistische“ Uigure lauert, versetzen seine Gesinnungsgenossen die vereiste Inselwelt Nordkanadas in Angst und Schrecken.

Man könnte ja lachen über dieses plumpe Machwerk, wenn dessen Wirkung auf den unbedarften Betrachter nicht so grausig wäre. Die Botschaft ist doch, dass der „islamistische Terrorismus“ die halbe Welt in Brand gesteckt hat und man sich nirgends mehr sicher fühlen kann. Spiegelt das wirklich das Lebensgefühl der Inder, Iraner oder Chinesen wieder?

Ein Wesensmerkmal des „islamistischen Terrorismus“ scheint mir zu sein, dass er seine Gegner verunsichern, einschüchtern und verängstigen will. Dem „Tagesspiegel“ gelingt das wirklich vortrefflich.